
Der schönste Anflug ist der auf Los Rodeos - von der Südseite her. Im weiten Bogen gleitet der Flieger an der Hauptstadt vorüber, um dann mit kaum merkbaren Höhenverlust auf den Nordflughafen einzuschwenken. Die Linkssitzenden werden dafür mit dem Teide-Blick belohnt. Falls die Wolken gnädig sind.
Süden... oder doch eher Norden? Das sollte man schon wissen, bevor gebucht wird. Der Süden ist sonnenlastiger, wärmer... und karger. Ganz sicher auch lauter. Der Norden hält sich oft gemäßigt, was die Temperatur betrifft, und wolkenreicher, was den Sonnenanteil angeht. Zum Ausgleich ist die Natur verschwenderischer. Mobilität ist deshalb das Zauberwort auf Teneriffa. Ein Leihwagen ermöglicht innerhalb kürzester Frist das Wunschklima.
Mit Stränden, oder was man sich darunter vorstellt, hat es ein Problem: Schönheit ist was anderes. Ein Kunststrand ist deshalb der Schönste: Las Teresitas wurde per Saharasand geschaffen. Er dehnt sich östlich der Hauptstadt aus; also nicht im Touristengebiet. Auf der Nordseite ist das Angebot mehr als dürftig, eher schon geizig zu nennen. Die rauen Atlantikwellen haben die Küste regelrecht ausgefranst. Eine Schönheit gibt es aber auch hier: der Bollullo-Strand. Er wird immer noch als Geheimtipp gehandelt, obwohl er längst keiner mehr ist. Das Problem liegt in seiner Erreichbarkeit. Ein gutes Stück laufen muss man schon. Das Gute dabei – viele sind lauffaul.
Und Teneriffa breitet sich aus. Was bei einer Insel eigentlich nicht möglich ist. Hier wächst in erschreckender Weise zusammen, was eigentlich getrennt sein sollte. Nämlich die einzelnen Orte. In massiver Form bemerkt man das an Puerto della Cruz, auf der Nordseite. Der Hausbau scheint ohne Stillstand. Das weite Orotavatal, ein einzig Häusermeer.
El Pries an der Nordküste, nähe Tacoronte
Die Innenstadt von La Laguna
Karfreitagsprozession in La Laguna
Die wilde Felsenbucht bei Romantica, westlich von Puerto della Cruz
Los Cristianos an der Südküste
Über allem erhebt sich der Pico del Teide. 3718 Meter misst der Gipfel. Damit ist er fast überall sichtbar; selbst von den Nachbarinseln aus. Also weg vom Trubel – hinein in die Natur . Und Natur gibt es doch (noch) reichlich hier.
Der Pico de Teide aus Sicht des Canadas-Nationalparks
Mehr als 2000 Meter schraubt sich der Wagen über scheinbar unzählige Kurven zu den Canadas hoch. Die Panoramastraße durch die weitläufige Kraterlandschaft ist ein Kinoerlebnis in Breitwand allerbester Güte. Begrenzt wird das Szenario nur durch die Autoscheibe. Aussteigen und die Landschaft per Wanderschuh erleben ist deshalb ein Muss. Ganz im Gegensatz zu den Alpen, ist das Wegenetz allerdings hier eher gering zu nennen.
Das Postkartenmotiv der Roques de Garcia zieht natürlich wie ein Magnet an. Tatsächlich ist die großzügige Wanderung um diese wirklich grandiose Felsgruppe ein unbedingtes Muss. Dieser Magnet zieht natürlich auch Reisebusse an... und Autos... und Besucher. Der frühe Morgen oder der späte Nachmittag könnte dem Ruhesuchenden schon eine Hilfe sein.
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Markannte Gesteinsschichtungen unweit der Canadas (Anfahrt von La Laguna)
Wer gerne Wildwestfilme schaut und sich an die an die kargen Landschaften im Cinemascope-Format begeistert, dem sei eine Wanderung zur Fortaleza nahe gelegt. Gleich zu Beginn des Nationalparks geht es rechts ab. Cowboys und Indianer samt Büffel wird man zwar vermissen dort, aber wofür hat man seine Fantasie.Startet man eine Wanderung links der Panoramastraße, dann führt ein unschwieriger Weg durch später berauschend schöne Lavafelder. Schwarzes und rostrotes Gestein breitet sich vor dem immer in voller Größe sichtbaren Teide aus.
Im Canadas-Nationalpark
Hätte man es gerne etwas alpin, dann ist dafür der Gaujara geeignet. Mit 2715 m ist er die zweithöchste Erhebung, nach dem Teide. In weiten Kehren führt der Weg unschwierig rückseitig zum Gipfel an. Im Januar hatten wir dort herrlich warme Temperaturen. Allerdings erwartete uns am Gipfel ein eisiger Sturmwind. Wer will, kann dann dort den nordseitigen Abstieg wählen. Allerdings ist dieser Steig eher alpiner Art. Mit Felsgelände sollte man schon vertraut sein; und etwas schwindelfrei auch.
Blick vom Guajara-Gipfel 2715m auf die weite Lavafläche der Canadas
Riesige Lavabrocken in den Canadas
Wer ganz hoch hinaus will, zum Teide, braucht dafür einen Erlaubnisschein... und Ausdauer. Mit der Seilbahn geht dies aber völlig problemlos; jedoch nicht bis zum endgültigen Gipfel; dem Schutze der Natur wegen. In den 80er Jahren durfte man noch hoch.
Es gibt noch eine Menge weiterer schöner Wege hier oben. Für eine gute Woche Wanderlust reichen diese allemal.
Markanter Kraterrand in den Canadas
Der Westen geizt ebenfalls nicht mit Erlebnissen. Der Leuchtturm an der westlichen Spitze Teneriffas lockt schon alleine wegen des Farbkontrastes mit der umgebenen dunkelbraunen Lava. Natürlich schaut man auf der Fahrt dorthin immer wieder zu den jäh emporragenden Felsabbrüchen. Kommt was runter...? Wir waren mehrmals dort. Gut gegangen! Etwas abseits des Leuchtturms erstrecken sich große Kakteenfelder. Eine weglose Genusswanderung bietet sich an.
Der Faro de Teno an der Westlichsten Spitze Teneriffas
Die Westspitze Teneriffas. Im Hintergrund die Insel Gomera
Das Vorzeigedorf Masca, hoch in den Bergen, sollte nicht nur gequert, sondern tatsächlich ausgiebig beschaut werden. Natürlich dürfte es oft Parkprobleme geben, weil ein jeder hier anhält. Für den Fotografen gibt es jeder Menge Kleinode abzulichten. Man muss sich nur genügend Zeit nehmen und genau hin schauen. Inmitten einer reisebusfreien Pause, darf man sich in einer der kleinen Gaststätten so richtig wohlfühlen.
Das Vorzeigedorf Masca. Hat während der Waldbrände im Sommer 2007 arg leiden müssen.
Oberhalb Masca, über der berühmt-berüchtigten Mascaschlucht, führt ein wunderbarer Steig. Dafür sollte man sich einen ganzen Tag Zeit lassen. Nicht nur, weil dieser manchmal anstrengend werden kann und der Wanderer auch Tiefblicke ertragen muss, sondern auch, weil man am Umkehrpunkt einen wunderbaren Blick hinunter zur Küste um Los Gigantes hat. Dafür lohnt dann schon eine ausgedehnte Mittagspause.
Auf dem Guergues-Steig oberhalb Mascas auf etwa 1000 m Höhe. Unterhalb der Steilküste wäre der Ferienort Los Gigantes sichtbar
An der Nordküste, bei der Siedlung Romantica (Los Realejos), führt ein kleiner aber höchst feiner und romantischer Pfad im Auf und Ab an der Steilküste entlang. Wenn sich über dem alten Wasserwerk ein tiefblauer Himmel wölbt und die vielen Palmen im Wind rauschen, kommen tatsächlich karibische Gefühle auf.
Auf dem wundervollen Steilküstenweg , der von La Romantica wegführt (Los Realejos)
Das alte Wasserwerk unterhalb der Steilküste
Blick von La Romantica auf das Hafengebiet von Puerto de la Cruz
In unmittelbarer Nähe führt vom ehemaligen Kloster Monasterio (nun Restaurantlandschaft) ein kleiner Weg zum Klosterhügel hoch. Von oben (kleine Kapelle), hat man eine umfassende Aussicht auf Puerto della Cruz. Wer nun Hunger verspürt, kann diesen im Monasterio stillen. Auf jeden Fall sollte man sich Zeit nehmen, die großzügige Anlage ausgiebig zu besichten. Es lohnt!
Es lohnt auf jeden Fall, das Anagagebirge im Ostteil der Insel zu erwandern. Fährt man auf der Höhenstraße ostwärts, tut sich ein verwunschenes Reich auf. Zwischen uralten Bäumen wabbert der Nebel, der zu den Kammhängen hoch schleicht. Lichtet er, tun sich tiefe Blicke in die schluchtartigen Täler auf. Manchmal ist der Himmel aber auch so blau, dass die Anagaberge alles Verwunschene abstreifen und nur noch Heiterkeit erzeugen. In der Ferne ragt eine seltsame Gestalt in den Himmel. Das „Matterhorn“ Teneriffas sagt man dazu. Es ist der Roque de Taborno. Ganze 706 m misst seine Gestalt. Startet man von Taborno auf holprigen Pfaden zu einer Umrundung desselben, verliert er beim Näherkommen aber immer mehr von seiner Mächtigkeit. Das „Matterhorn“ mogelt eben etwas. Dafür geizt die Natur hier absolut nicht mit Schönheit. Also mindest einmal sollte man den Taborno schon besucht haben.Und wenn man schon mal da ist, sollte der Ort Afur im Nachbartal auch besucht werden. Klein und fein!
Das "Matterhorn "Teneriffas, der Roque de Taborno (Anagagebirge)
Auf Wanderung in den Bergen oberhalb von Batan (Anagagebirge)
Die wilde Felsenküste bei Taganana (Anagagebirge)
Ein zauberhafter, wilder Flecken ist der Mirador Aguaide, den man auf kurzem Fußweg von Chinamada aus erreicht. 500 Meter tiefer brausen und schäumen die Atlantikwellen an. Tief saugt man die Meeresluft ein. Und die macht vielleicht hungrig auf Kaninchenbraten oder auch nur Ziegenkäse in der kleinen Gaststätte zu Beginn des Weges.
Fast schon weltabgeschieden fühlt man sich in Batan de Abajo, im nächsten Tal. Ein paar schöne Wanderwege führen durch die steilen Talhänge, mit merkwürdig aussehenden Felsformationen.
Taganana gehört natürlich zum Pflichtprogramm. Der wilde Küstenstreifen dort, mit den zahlreichen, bizarr aussehenden Felseninselchen, lässt den Weltenbeginn erahnen.
Ausblick von den Felsabstürzen bei Chinamada (Anagagebirge). Unten Punta Hidalgo
Wildes Bergland um Taganana (Anagagebirge)
Eine scheinbar endlos wirkende schmale Straße führt zum östlichsten Punkt Teneriffas. In Chamorga verlässt man den Wagen schon aus natürlichen Gründen. Hier geht es nicht mehr weiter. Guten Fußes aber schon noch! Ein wundervoller Aussichtsweg führt oberhalb des Ortes an der Steilküste längs. Von dort fällt der Blick auf den Faro de Anaga, den Leuchtturm am Ostende der Insel. Bei schönem Wetter möchte man diesen Aussichtsplatz gar nicht mehr verlassen. Natürlich kann man zum Leuchtturm auch absteigen. Ansonsten erreicht man auf einem Rundweg wieder den Ausgangspunkt.
Teneriffa ist wanderbar - scheinbar endlos!
Bergfrühling oberhalb von Arafo (Süden)
Ist gerade der richtige Zeitpunkt - im Februar - sollte der Karnevalsumzug in Santa Cruz de Tenerife besucht werden. Ein farbenprächtiges, lärmendes Spektakel, das sich über Stunden hinzieht. Natürlich haben auch andere Orte buntes Karnevalstreiben zu bieten. Oder etwas ruhiger, am Karfreitag die großen Prozessionen in La Laguna.
Faul da liegen und die Nase Richtung Sonne halten ist durchaus ein sinnliches Vergnügen, doch die wahre Sinnlichkeit Teneriffas entdeckt man unterwegs…

"Was wünschen sie bitte?" Gasthaus in Masca

Adios, Teneriffa...
Eingang






















